Farewell, ein besonderer Abschied und eine enorme Zahl

Geschrieben am Dezember 21st, 2009 von André in Reise

Der dritte Tag an Bord der OceanQuest stellte nun leider auch unseren letzten dar. Am Abend würde ein Großteil unserer Truppe wieder in ihren Hostels schlafen und von den Erlebnissen der vergangenen Tage träumen. Noch war es aber nicht soweit. Eigentlich hatte ich ja vor am letzten Tag auszuschlafen und den ersten Tauchgang schlichtweg zu überspringen, dann bin ich aber doch um kurz vor sechs aufgewacht.

Also ging es mit Rene beim frühen Tauchgang als Tauchpartner runter. Sein vorheriger Tauchpartner Julian hatte sich von vornherein für einen Advances Kurs entschieden und verbrachte somit nicht nur einen Tag mehr auf der OceanQuest, sondern fing ab dem 5. Tag auch mit seinen Advances Kursen (an Bord natürlich) und Tauchgängen an – somit konnten Rene und ich zusammen runter.

Vor unserem Tauchgang haben wir uns das Briefing genau angehört und dann noch einmal durchgesprochen, wie und wo wir tauchen wollen. Klar war, dass wir bereits früh tief runter gehen wollten, um dann bei den späteren Tauchgängen nicht in Probleme zu kommen. Letztlich tauchten wir entlang der Ankerkette bis auf etwa 16 Meter herab und schwammen dann rüber zum Riff. Die Strömung war zum Glück relativ mild, sodass der Tauchgang sehr entspannt verlief. Im Riff selbst haben wir uns dann zu den seichteren Gebieten bewegt und so den großen zweiten Teil des Tauchganges in einer „Tiefe“ von ein bis drei Metern verbracht. Die Korallen und Fische hier waren allerdings allesamt sehr farbenfroh und schön. Zwischendurch gab es bei uns beiden ein paar Orientierungsschwierigkeiten, allerdings konnten wir diese durch kurzes Auftauchen schnell lösen. Bei gerade einmal drei Metern ist dies ja auch kein Problem. Kleiner Bonus gleich zu Beginn: Ein Tiegerfisch direkt unterhalb des Bugs des Schiffes, der dann auch gleich für ein Foto posierte (was dann aber doch nicht sooo gut zu erkennen ist).
Außerdem bin ich mit weniger Gewichten getaucht als zuvor, um meine Schwebefähigkeiten weiter zu trainieren. Und Rebecca lag mit ihrer Vermutung auch richtig, langsam kam ich in den richtigen Rhytmus und konnte mit einem Gewicht weniger als zuvor runter.

Die Fakten des Tauchganges

  • Ort: Norman Reef – PlaygroundTiefe: 16 Meter
  • Länge: 22 Minuten
  • Sichtweite: 15-20 Meter
  • End Druckgruppe (PG): F

Nach dem Tauchgang am Morgen gab es dann wieder ein super leckeres Frühstück. Dieses Mal hatte der Koch Pfannkuchen vorbereitet. Ob es daran lag, dass ich am Abend zuvor mit ihm gescherzt hatte und über die tollen, amerikanischen Pancakes gesprochen habe, weiß ich nicht – aber er hatte sich mal wieder selbst übertroffen und uns ein sehr leckeres Frühstück serviert. Nach drei Pfannkuchen und zwei Toast war ich dann fast zu voll für den nächsten Tauchgang. Natürlich wechselten wir auch wieder die Position während des Frühstücks, sodass wir die kommenden zwei Tauchgänge in neuer Umgebung durchführen konnten.

Der zweite Tauchgang wurde wieder mit Rene als Tauchpartner unternommen. Bei diesem Riff gab es fast keine Strömung, was das Tauchen natürlich noch interessanter machte. Zudem gab es in diesem Riff ein paar sehr interessante Unterwasserschluchten, an denen wir entlang tauchten. Dort gab es dann auch immer wieder Fische, die sich versteckten oder am Riff entlang schwommen. Ich konnte hier noch ein paar letzte, sehr beeindruckende Fotos schießen, bevor ich die Kamera dann abgeben musste weil meine Mietzeit vorrüber war. Man merkte allerdings auch stark, dass wir langsam mehr Erfahrung bekamen und gelassener beim Tauchen wurden.

Die Fakten des Tauchganges:

  • Ort: Norman Reef – Sandra’s
  • Tiefe: 16 Meter
  • Länge: 22 Minuten
  • Sichtweite: 15-20 Meter
  • Anfangs Druckgruppe: C
  • End Druckgruppe: M

Als wir dann wieder an Bord kletterten und unsere Ausrüstung ablegten, kam Becks schon auf mich zu mit grinsendem Gesicht und meinte nur, ich würde den nächsten Tauchgang mit ihr machen. Ihr „Supervisor“ hätte sein Okay gegeben, dass Sie ihre Advanced Schüler und ihre beiden Graduierten auf einen „Drift Dive“ mitnehmen kann.

Etwa 90 Minuten später waren wir wieder in unseren Anzügen und bestiegen ganz vorsichtig das Beiboot. Dieses dient eigentlich dazu, müde Taucher die abgetrieben wurden, wieder an Bord zu holen und natürlich auch in Notsituationen Hilfe zu leisten. Ab und an wird das Beiboot aber auch für normale Tauchgänge verwendet. Bei unserem Driftdive zum Beispiel. Als wir das Boot bestiegen war noch keine Strömung vorherrschend, allerdings würde diese durch die einsetzenden Gezeiten bald wieder stärker werden. Mit dem Boot fuhren wir daher in die Richtung, die in Kürze entgegen der Strömung entsprechen würde.

Als wir gut 300-400 Meter vom Tauchboot entfernt waren, hielten wir an und machten uns alle zum Tauchen bereit. Frei nach der James Bond Art, oder auch Navy Seals, stürzten wir uns rücklings über Bord – alle zum gleichen Zeitpunkt. Anschließend fuhr das Beiboot wieder zurück und wir tauchten ab. Das schöne an einem Driftdive ist nun, dass man praktisch keine Anstrengung unternehmen muss, um zum Tauchboot zurück zu kehren, denn dies erledigt die Strömung praktisch von allein.

Wir liessen uns als gemütlich treiben und bestaunten noch einmal die schöne Unterwasserwelt. Zwischendurch mussten die Advances Schüler noch ihr Navigationsgeschick beweisen und Becks die richtige Richtung zum Tauchboot anzeigen, abgesehen davon gab es für die Schüler aber keine Skills zu bewältigen. Direkt zu Beginn unseres Tauchgangs zeigte uns Becks einen Regenbogenfisch – oder auch bekannter als „Nemo“. Genauso, wie man es sich vorstellt, schwimmt dieser in einer Koralle hin und her. Nemo ist allerdings geradezu winzig, vielleicht 3-5 Zentimeter lang. Das macht ihn aber nicht weniger süß.

Kurze Zeit später trafen wir dann noch einen anderen „Star“ des Riffs – einen großen Wrass. Dieser kann von der Größe fast mit einem Menschen mithalten und ist zudem sehr neugierig. Der „Wally“ schwomm eine ganze Zeit lang mit uns und untersuchte uns sehr interessiert. Gegen Ende des Tauchgangs sahen wir dann noch einen Rochen, der sich über den Boden bewegte und letztlich vor uns floh. Natürlich sahen wir auch viele, viele andere Fische.

Am Ende hatte ich etwa noch 50 bar im Tank, exakt die Menge, die man immer mindestens drin lassen soll. Und wo tauchten wir auf? Direkt am Heck des Tauchbootes, keine zehn Meter vom Tauchdeck und der Leiter entfernt – Becks hatte den gesamten Tauchgang mal wieder perfekt abgestimmt und uns damit auch einen perfekten Abschied vom Riff ermöglicht. Dieser Tauchgang war definitiv etwas ganz besonderes.

Die Fakten des Tauchganges:

  • Ort: Norman Reef – Sandra’s
  • Tiefe: 18 Meter
  • Länge: 29 Minuten
  • Sichtweite: 20-25 Meter
  • Anfangs Druckgruppe: P
  • End Druckgruppe: Q

Ja, wer sich nun ein bisschen mit dem Tauchen auskennt, wird erkannt haben, dass ich am letzten Tag bei den Tiefen nicht immer flacher geworden bin, sondern sogar weiter runter ging. Das ist an sich nicht gefährlich, allerdings funktionieren dann wohl die Tabellen nicht mehr ordentlich. Da es aber mein letzter Tauchgang war und ich nur aus Versehen einmal an die 18 Meter kam, machte ich mir auch keine größeren Gedanken.

Nach dem Auftauchen hieß es dann schnell das Zimmer aufräumen und ausschecken. Die Zeit bis zum (letzten) Mittagessen und schliesslich dem Transfer zog sich nur so dahin und irgendwie war keinem nach Reden zu Mute. Wir wanderten alle ziellos übers Schiff oder blieben in unseren Räumen bzw. später der Bar.

Als dann der Transfer auf die ReefQuest kam, standen alle Crewmitglieder (wie bei eigentlich allen Kreuzfahrten) am Ausgang und verabschiedeten uns… und Becks fiel uns um den Arm und drückte uns alle noch einmal kräftig. Und dann saßen wir alle schon auf dem Unterdeck der ReefQuest und fuhren in Richtung Cairns.

Am Ende bleibt mir nur noch zu sagen, dass die fünf Tage mit Becks und der Tauchgruppe die bisher schönste Zeit in Australien war und ich alle unglaublich vermisse. Ich war insgesamt 267 Minuten unter Wasser (im Great Barrier Reef), habe 10 Tauchgänge unternommen und habe unglaublich viel gesehen und erlebt. Und dafür bin ich Becks unendlich dankbar.

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Ein Kommentar zu “Farewell, ein besonderer Abschied und eine enorme Zahl”

  1. […] sehr viel mitgemacht hat. So war es mit mir in Australien, hat Wüstensand erlebt, die salzige Luft des Great Barrier Reef und nicht zuletzt den Jahrhundert-Sandsturm in Sydney. Einmal ging das Handy sogar tauchen […]

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